Künstler und Dialog willkommen?

Voller Vorfreude bin 90 Minuten vor einem offiziellen Konzertbeginn zum Künstlerhaus Boswil gereist. Im Gepäck: meine Gitarre und mein Musik-Bingo, um mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Ich habe mich nach künstlerischen, musikalischen Spirit gesehnt – dem Gefühl eines echten Künstlerhauses, in dem Kunst gelebt und geatmet wird. Die ersten Begegnungen am Vortag  waren vielversprechend. Ich traf auf Mitglieder des dort untergebrachten Chors, spielte zwei Lieder und spürte die gemeinsame Verbindung zur Musik. Doch die Ernüchterung folgte.

Ein Chorsänger fühlte sich beim Üben gestört und bat mich zu gehen. Selbst als ich auf die andere Seite des weitläufigen Gartens wechselte und extra leise spielte, war es noch zu viel. Und das, wo es genügend Probeorte gibt. Es war doch nur dieser eine Sänger, der meinte alles müsse auf ihn hören und so wurde es vollzogen. Ich wurde gebeten die Anlage zu verlassen. Das Konzert, dass ich anhören wollte war damit für mich gestorben.

Da stellt sich die Frage: Was ist das für ein Künstlerhaus, in dem Künstler verjagt werden? Warum sucht man nicht den Dialog? Im Umgang mit Menschen und spontaner Kreativität haben die Verantwortlichen vom Künstlerhaus Nachholbedarf. Auch Passanten, mit denen ich mich austauschte, schüttelten nur den Kopf – sie konnten es kaum glauben.

Alles wirkt durchgetaktet und kommerzialisiert. Schaut man auf die Website des Hauses, sieht man, dass die Institution grosszügig vom Kanton Aargau gefördert wird. Es ist grossartig, dass es solche geförderten Orte und Möglichkeiten für die Kultur gibt. Die Jahresabrechnung von 2024 zeigt das nur mit der öffentlichen Hand der Betrieb überhaupt möglich ist.

Genau deshalb sollte dort auch unkomplizierte, freie Kunst Platz haben – und nicht nur das, was in ein kommerzielles Raster passt.

Website vom Künstlerhaus Boswil

Kunst braucht Raum zum Atmen. Auch ausserhalb des offiziellen Programms. Es braucht Begegnung. Wir sollen miteinander reden. Ansonsten ist Kunst etwas abgehobenes, es muss gefallen, nur noch abschalten. Und am liebsten alles brav vorher bewilligen lassen.

Offiziell wurde Vorgehen gegen mich gutgeheissen, wirklich kein öffentlicher Raum?

Gleichzeitig möchten wir jedoch klarstellen, dass das Künstlerhaus Boswil kein öffentlicher Ort im Sinne eines Museums oder eines frei zugänglichen Begegnungsraums ist. Wir sind ein Ort der Musik, an dem Proben, Konzerte, Produktionen und andere Veranstaltungen stattfinden.


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