Baden ist ein Mekka der Vielfalt – solange die Vielfalt vorher schriftlich beantragt, abgestempelt und vorschriftsmässig im Kulturkonzept eingereicht wurde. Wer diese feine Nuance nicht versteht, ist Stephan Zurfluh. Der umtriebige Präsident der Musikpartei besitzt die absurde Dreistigkeit, sich mit mehr als 1000 selbstverfassten Liedern und brennender Kunstleidenschaft in die Öffentlichkeit zu wagen. Auf seiner Website «Frei wie der Wind» träumt er allen Ernstes von lebendiger Kultur. Wie naiv.
Die Quittung gab es beim idyllischen Stelldichein von Stadtpicknick und Foodsave-Bankett. Zurfluh ortete die perfekte Lücke, schnappte sich das Mikrofon und wollte die Bürger mit Zitaten zu Hoffnung (frei nach Schiller), der Wohnungsproblematik («Wo wo wohnen») und dem Weltfrieden beglücken. Ein Anschlag auf die gepflegte Badener Gemütlichkeit!
Doch auf die Hüter der Ordnung ist Verlass: Die Kulturwächter des Vereins Kulturaktiv reagierten mit der Präzision einer Schweizer Uhr. Bevor die erste Strophe vollends den Raum vergiften konnte, wurde der Stecker gezogen und dem Musikus mit feinsinniger Pädagogik mitgeteilt, er möge solche Dummheiten doch künftig bitte lassen.
Dabei lohnt sich ein Blick in das heilige Evangelium auf der Vereins-Website:
«Der Verein Kulturaktiv Baden ist ein Zusammenschluss von Badener Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen. Wir setzen uns für eine vielfältige und lebendige Kulturszene in Baden ein.»
So geht Vielfalt auf Badener Art! Kultur ist hier nämlich Chefsache und kein Mitmach-Zirkus für jedermann. Freie Künstler stören da nur die Optik. Das spüren auch andere: Wer in Baden ohne Segen der Obrigkeit auf der Strasse musizieren will, zahlt stolze 20 Franken Gebühr für das bürokratische Privileg. Im banalen Aarau darf man einfach so spielen – aber dort versteht man vermutlich auch nichts von «hochwertigem Kulturmanagement».








Ob ein «Tag der Musik» oder die Belebung der düsteren Cordulapassage: Zurfluhs Ideen prallen seit Jahren verlässlich an der städtischen Betonwand ab. Aber warum sollte Baden auch echte Kultur zulassen? Man hat schliesslich genug Geld, um sich einfach den Glanz ein paar durchgestylter Prestige-Events zu kaufen. Das ist viel bequemer – und stört wenigstens nicht beim Picknick.


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